Der aus einfachen Verhältnissen stammende Bauernsohn war kein studierter Architekt, sondern
hatte eine handwerkliche Bauausbildung durchlaufen und legte deshalb besonderen Wert auf die
handwerkliche Qualität seiner Bauten. Der aus Ton und Lehm gebrannte Backstein (oder Klinker)
war für Höger idealer Ausdruck von Bodenständigkeit und Heimatverbundenheit. Doch trotz ihrer
traditionell anmutenden Backsteinhülle waren Högers Bauten im Inneren zugleich modern und
zukunftsweisend: Rasterfassaden und Skelettbauweise aus Stahl und Beton ermöglichten eine
flexible Aufteilung und Anpassung der Büroflächen an die Bedürfnisse der Mieter, und wie alle
Kontorhäuser waren sie mit modernster Technik ihrer Zeit ausgestattet, unter anderem mit den
damals beliebten Paternoster-Aufzügen.
Der Name Chilehaus verweist übrigens auf die Herkunft des Geldes, mit dem der Hausbau
finanziert wurde: Bauherr Henry B. Sloman hatte vor dem Ersten Weltkrieg mit dem Import von
Salpeter aus Chile ein riesiges Vermögen erworben, das er nach dem verlorenen Krieg in
Immobilienprojekte wie das Chilehaus investierte. Der Salpeter wurde in Chile unter heute
unvorstellbaren Arbeitsbedingungen abgebaut, die Spuren der kolonialen Ausplünderung von
Mensch und Natur sind bis heute gegenwärtig – auch im Chilehaus. Und Fritz Höger hatte bei
aller Genialität und Baukunst auch eine dunkle Seite: Er biederte sich früh den Nationalsozialisten
an und entließ Anfang 1933 seinen jüdischen Mitarbeiter Ossip Klarwein, der später nach Israel
emigrierte und dort unter anderem das Knesset-Gebäude in Jerusalem entwarf.
Das Chilehaus ist Thema unserer

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