Apostelkirche Eimsbüttel

Auf den ersten Blick sieht die Apostelkirche in Eimsbüttel aus wie viele Hamburger Kirchen, die Ende des 19. Jahrhunderts in den damaligen Stadterweiterungsgebieten neu gebaut wurden. Doch auf den zweiten Blick hat sie so manche Überraschung zu bieten.

Das erste Detail: Die Fenster sind nicht neogotisch spitz, sondern neoromanisch rund geformt, was damals als der modernere der beiden „Neo-Stile“ galt. Zudem war die Apostelkirche die erste Kirche in Hamburg, die nach den 1891 verabschiedeten „Wiesbadener Programm“ als Zentralbau konzipiert wurde, in dem Altar und Kanzel in der Mitte des Raumes angeordnet und von allen Plätzen gleich gut zu sehen waren. Und nebenbei ist sie eine der wenigen Hamburger Kirchen jener Zeit, die nicht von Johannes Otzen oder einem seiner Schüler entworfen wurde, sondern von den Architekten Erwin von Melle (Bruder des Universitätsgründers Werner von Melle) und Peter Gottlob Jürgensen.

 Von der ursprünglichen Gestalt und Ausstattung ist allerdings wenig geblieben – zwar überstand die Kirche den Zweiten Weltkrieg, brannte jedoch 1977 aus bis heute ungeklärten Gründen komplett aus. Den anschließenden Wiederaufbau besorgte Bernhard Hirche, der in die alte Hülle ein gänzlich neues Nutzungskonzept implantierte: Durch den Einbau einer Zwischendecke entstand ein modernes zweistöckiges Gemeindezentrum mit großzügigem Foyer und variabel einteilbaren Mehrzweckräumen im Erdgeschoss sowie einem Kirchensaal im 1. Stock, so dass die Gemeinde das Gebäude seither vielfältiger und effektiver nutzen kann als zuvor.

Auch bei der Neugestaltung der Altarfenster gingen Architekt und Gemeinde neue Wege: statt einer Rekonstruktion der beim Brand zerstörten Apostelbilder entschied man sich für die Bildnisse von je sechs Frauen und Männern des 20. Jahrhunderts, die mit ihrem Wirken als moderne „Apostel“ angesehen werden können, u.a. Sophie Scholl, Dietrich Bonhoeffer, Simone Weil oder Albert Schweitzer. Angefertigt von der Glaswerkstatt Wilhelm Derix in Taunusstein, konnten die neuen Apostelfenster im Jahr 1990 feierlich eingeweiht werden.

Die Apostelkirche zeigen wir bei unserem Rundgang:

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